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Der ewige Gast“ – Marjorie Kinnan Rawlings

Zugegeben – es waren mehr nostalgische Gefühle, die mich in einem Buchantiquariat nach diesem Roman greifen ließen: Leineneinband und Lederrücken erinnerten mich an all die geheimnisvollen Bücher, die sich auf den Regalbrettern des Wohnzimmerschrankes meiner Eltern befanden, waren sie doch, wie alle bildungsbeflissenen Eltern der 60er Jahre ebenfalls Mitglied in einem Buchclub.

Deshalb wollte ich auch nur ein wenig darin schmökern und rechnete nicht mit der Wirkung dieser Erzählung. Schon der erste Satz fesselte mich und führte mich mitten hinein in das Schicksal eines Mannes im späten 19. Jahrhundert auf einer Farm im Nordosten der Vereinigten Staaten, in ein Leben voller unausgesprochener Sehnsüchte, erlittener Ungerechtigkeiten, Hoffnungen, großer Verantwortung und Menschlichkeit.

Der ewige Gast“ ist ein ruhiges, fast träges Buch, geschrieben in wohl gewählten Worten, in einer Zeit, in der Sprache noch eine andere Bedeutung hatte. Ein Buch, das nicht von großen Abenteuern erzählt, nicht von Aufbruch, Erneuerung und Selbstfindung – es wirkt nostalgisch in Zeiten von Selbstoptimierung und Individualisierungswahn. Es geht um die Liebe zur Familie, zu dem, was ist, es geht um die Fähigkeit sich zu binden und es geht ums Bleiben … ungewöhnlich - aber nachdenklich stimmend und tief berührend!